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Bislang leistungsstärkster Windpark der HessenEnergie wird in Wartenberg gebaut

Meldung vom 21.03.2017

Fünf neue Windkraftanlagen bei Wartenberg liefern in Zukunft Strom, der den Bedarf von 8.400 Haushalten entspricht

Bereits kurz nach dem Kernkraftwerksunfall in Fukushima und dem Beschluss der Bundesregierung zur Energiewende und dem Ausstieg aus der Kernenergie, hat sich die Gemeinde Wartenberg im November 2011 an die HessenEnergie Gesesellschaft für rationelle Energienutzung mbH, Wiesbaden, gewandt, um die Möglichkeiten einer zukünftigen Windenergienutzung auf dem Gemeindegebiet zu untersuchen. Mittels eines „Windenergie-Checks“ sollte eine Steuerung der Windenergienutzung vorgenommen und einer Verspargelung im Gemeindegebiet entgegengewirkt werden, da der damals im Entwurf vorliegende Teilregionalplan Energie Mittelhessen mehrere Windvorranggebiete in der Gemeinde vorsah. Als ein Ergebnis des „Windenergie-Checks“ wurde von HessenEnergie schließlich der „Steinberg“ als das am besten in der Gemeinde Wartenberg geeignete Gebiet ermittelt. Im Juni 2012 wurde ohne Gegenstimmen der Gemeindevertretung ein Städtebaulicher Vertrag zur Entwicklung der Windenergienutzung in Wartenberg zwischen Kommune und HessenEnergie abgeschlossen.

„Wir freuen uns, dass es endlich soweit ist und wir mit den BauAm „Steinberg beginnen können“, freut sich Gerd Morber von der HessenEnergie, der das Projekt von Anfang an kennt und auch die Gespräche mit der Gemeinde Wartenberg im Jahr 2011 geführt hat. Eine Besonderheit bei der Planung und Durchführung des Genehmigungsverfahrens in Wartenberg war die Beantragung eines freiwilligen förmlichen Genehmigungsverfahrens. So bekamen die Bürger die Gelegenheit, alle Antragsunterlagen, die öffentlich ausgelegt worden waren, einzusehen und bei einem zweitägigen „Erörterungstermin“ im Januar 2016 Anregungen und Bedenken ins Verfahren einzubringen. Schriftlich oder mündlich vorgebrachte Einwendungen wurden dann eingehend vom Regierungspräsidium in Gießen geprüft. Schließlich wurde im November 2016 grünes Licht für den Bau des Windparks vom Regierungspräsidium Gießen gegeben.

Betreiber des Windparks soll die ovag Energie AG werden, die die meisten der von ihrer 100%-igen Tochter HessenEnergie entwickelten Windparks in ihrem Portfolio von Stromerzeugungsanlagen, die erneuerbare Energien nutzen, führt. „Damit haben wir nun deutlich die 100 MW-Schwelle bei der installierten Windenergieleistung überschritten“, sagt Dr. Hans-Peter Frank, verantwortlich bei ovag Energie AG für den Bereich Handel und Erzeugung und Mitgeschäftsführer bei der HessenEnergie. „Damit werden wir in einem Zeitraum von rund zwölf Monaten das vierte Windenergieprojekt in der Region ans Netz bringen. Einmalig für unser Unternehmen. Wir festigen damit unsere Vorreiterrolle auf dem Gebiet in Oberhessen.“

„Regionale Energiewende ist damit untrennbar mit unserem Unternehmen verbunden“, betont Rainer Schwarz, Vorstand der ovag Energie AG. Gleichzeitig dankte er den Gemeindevertretern und den Freiherren von Riedesel zu Eisenbach, auf deren Waldgrundstücken drei bzw. zwei der Anlagen stehen werden, für die gute Zusammenarbeit, die „Hand in Hand“ stattgefunden habe. „Wir legen großen Wert auf regionale Wertschöpfung in unseren Projekten“ ergänzt Schwarz, „sodass von der Investitionssumme von rund 24,5 Millionen Euro auch Firmen und Bevölkerung aus der Standortumgebung profitieren können.“

Bis die neuen Anlagen in Wartenberg Windstrom liefern, wird es nach dem Projektzeitplan Sommer 2017 werden. Die fünf Anlagen vom Typ Vestas V-112 haben eine installierte elektrische Leistung von je 3,3 Megawatt. Mit einer Nabenhöhe von 140 Metern und einem Rotordurchmesser von 112 Metern werden sie eine Gesamthöhe von rund 196 Metern aufweisen und entsprechen damit der derzeit üblichen Leistungsstärke.

„Wir erwarten an diesem windbegünstigten Standort einen Jahresstromertrag von etwa 29,5 Millionen Kilowattstunden, entsprechend dem Jahresbedarf von rund 8.400 Haushalten – ein Ertrag, der sich für Mittelgebirgsstandorte gut sehen lassen kann“, unterstreicht Hans-Peter Frank. „Damit praktizieren wir Ressourcenschutz und entlasten die Atmosphäre mit rund 17.800 Tonnen klimaschädlichem CO2 aus der herkömmlichen Stromerzeugung.“

Bürgermeister Dr. Olaf Dahlmann zog sich nicht einfach auf die klare Beschlusslage der Gemeindegremien zurück, sondern stellte sich persönlich hinter die Windkraft. Diese sei „ein gutes Instrument, auch wenn die Energiewende vielleicht zu schnell und mit handwerklichen Fehlern“ gekommen sei. „Für uns als Gemeinde ist es aber ein Glücksfall, dass wir am Rande des Vogelsbergs über sehr gute Windverhältnisse und eigene Waldflächen verfügen, die wir gemeinsam mit einem privaten Waldeigentümer in das Projekt einbringen konnten.“ So kann der Bürgermeister nicht nur aus dem Rathaus auf die Windräder blicken, sondern wird zukünftig auch einen erheblichen Beitrag im Kommunalhaushalt als zusätzliche Pachteinnahme in sechsstelliger Höhe jährlich verbuchen.

Dass die Flächen überhaupt Eingang als Vorrangfläche in den Teilregionalplan Energie Mittelhessen gefunden haben, ist nicht zuletzt der HessenEnergie zu verdanken. „Mit unseren ausgiebigen naturschutzfachlichen Untersuchungen an diesem Standort konnten wir nachweisen, dass Natur- bzw. Artenschutz und eine nachhaltige klimaschonende und risikoarme Energieversorgung in Einklang zu bringen sind“, so Manuel Esterle, verantwortlich bei der HessenEnergie für das erfolgreich verlaufene Genehmigungsverfahren.

Hervorzuheben ist das an diesem Standort in enger Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen sehr sorgsam umgesetzte Verfahren zum Schutz der Haselmaus. „Insgesamt 50 Haselmäuse wurden im Herbst 2016 eingesammelt und parallel im nahen Umfeld besonders für diese Art geeignete Sträucher gepflanzt, um das Habitat dieser schützenswerten Spezies gezielt aufzuwerten“, erklärt Ingo Deitermann von HessenEnergie, der nahezu täglich vor Ort die Bau- und Naturschutzarbeiten koordiniert und auch die Baukosten in diesem komplexen Projekt im Blick haben muss. „Vier der fünf Baufelder sind schon für den Fundamentbau vorbereitet, am fünften Standort sind noch archäologische Restarbeiten erforderlich, um den Fundamentbau auch dort starten zu können. Wir sind also voll im Zeitplan.“
Tatsächlich boten die im Baufeld befindlichen Hügelgräber die besondere Gelegenheit einer intensiven, von der Abteilung Archäologie des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege veranlassten, Ausgrabung und Dokumentation, deren Funde und Ergebnisse erst noch auszuwerten sind.

In den nächsten Monaten werden Bauverkehr und anschließend die Schwerlasttransporte mit den riesigen Anlagenteilen über die Kreisstraßen rollen. „Aus logistischer Sicht ist die Anfahrt hier allerdings sehr komfortabel, da die Standorte über die B254 und die L3140 auf kurzem Weg an die Autobahn A5 angebunden sind und dadurch die Anwohner hoffentlich nur wenig belastet werden“, berichtet der Vertreter vom Anlagenhersteller Vestas.

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