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Vom Hawaii-Vulkan zum Vogelsberg-Vulkan

Meldung vom 23.11.2017

Zurück vom „Mars“: Christiane Heinicke bei der Vulkan-Lesung

Das erste, was sie tat, als sie nach einem Jahr wieder draußen war: „Ich lief ganz in der Nähe einen Hügel hinauf, wollte eine Weile allein sein, genoss den Wind auf meiner Haut, hörte plötzlich wieder meine Schritte – das waren glückliche Momente.“ Und, fügt Christiane Heinicke hinzu, „ich hatte mich die ganze Zeit auf frische Himbeeren gefreut. Die habe ich mir gleich gegönnt.“

Die Geophysikerin, promovierte Ingenieurin, war unter sechs Wissenschaftlern – die einzige Deutsche – die 365 Tage an einem Stück am Fuße eines Vulkans, des Mauna Loa, auf Hawaii in einem kuppelartigen Bau verbrachte, um so zu erproben, wie das so ist, wenn Menschen dereinst auf den Mars fliegen und eng an eng über einen langen Zeitraum miteinander auskommen müssen, ohne Möglichkeit eben dieser Enge zu entrinnen. Über ihre Erfahrungen in dieser extraterrestrischen Wohngemeinschaft hat die 32-Jährige aus Sachsen-Anhalt nun ein außergewöhnliches Buch geschrieben: „Leben auf dem Mars“. Dieses Buch stellt Christiane Heinicke im Rahmen der Reihe „Der Vulkan lässt lesen“ am Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr, im Marktcafé von Alsfeld vor.

Wie sie auf den „Mars“ kam? „Als ich davon hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Ich bewarb mich für Auswahlverfahren, wurde in engeren Kreis der Kandidaten aufgenommen. „Dann mussten wir für eine Woche in die Rocky Mountains, einen Rucksack auf dem Rücken. Eine Situation, bei der man sich nicht mehr verstellen konnte.“ Christiane Heinicke wurde schließlich für die Mission HI-SEAS, betrieben von der University of Hawaii, finanziert von der NASA, ausgewählt.

Ein Jahr also, den Blick täglich auf rotes, vegetationsloses Vulkangestein, um die Langzeitmission zu simulieren, Ausflüge nach draußen nur im Astronautenanzug für Experimente, Kontakte zur Außenwelt nur per E-Mail oder Video-Botschaften. „Klar, den realen Kontakt nach außen vermisst man, ebenso kommt der Wunsch auf, mal auszugehen, Kino, Restaurant oder Ähnliches. Aber ich wusste ja vorher, auf was ich mich einlasse.“ Drei Frauen, drei Männer auf engem Raum („Dreißig Schritte von meinem Bett in die Küche, dreißig Schritte ins Labor“), zu einer Art Lagerkoller sei es dennoch nicht gekommen. „Zu zwei Kollegen hatte ich einen sehr guten Draht, wir sind sogar nach Beendigung des Experiments in Kontakt geblieben. Zu den anderen war das ein eher sachlicher Kontakt, was ja auch in Ordnung ist.“ Also, „ausgerastet“ sei keiner. „Allein deswegen, weil jeder bestimmte Aufgaben zu erledigen hatte“ – sie selbst beispielsweise sollte aus Bodenproben Wasser extrahieren – „und weil wir im Rahmen dieser Aufgaben aufeinander angewiesen waren.“ Außerdem hätten sie vorab als Regel für sich erstellt: „Wenn einem mal danach ist, aus welchen Gründen auch immer, kann er sich ein, zwei Tage in sein Zimmer zurückziehen ohne das darüber groß geredet wird.“

Zu den Aufgaben gehörten verschiedene Sozialexperimente, beispielsweisen in Computerspielen gegeneinander anzutreten, draußen Karten von der Umgebung erstellen oder Höhlen als Notunterkunft zu finden. „Diese Ausflüge waren körperlich recht anstrengend“, erzählt Christiane Heinicke, „allein schon, weil es in dem Anzug heiß wie in einem Backofen war.“ Ein Ritual, auf das sich die Gemeinschaft täglich gefreut habe, sei das Abendessen gewesen. „In die Zeit gab es vielleicht zwei Abende, an denen wir nicht an einem Tisch gesessen hätten.“
Wie sich die Freizeit sonst gestaltete? Sport auf dem Laufband, auf Fahrrädern, Brett- und Kartenspiele, Filme, musizieren: Sie hatte eine Mundharmonika dabei, die anderen eine Ukulele, eine Gitarre und eine Didgeridoo. „Und ich habe die anderen dazu überredet, Salsa zu lernen“, sagt Christine Heinecke lachend.

Kam einmal der Gedanke auf auszusteigen nach dem Motto „Ich bin ein Star, holt mich hier heraus?“ „Nein. Beim Abendessen haben wir manchmal darüber gewitzelt. Aber alle, die dabei waren, waren viel zu entschlossen, die Sache durchzuziehen.“

Die Erkenntnisse aus dem Langzeitexperiment sollen in Kürze vorgestellt werden. „Ein Hauptpunkt wird sicherlich sein, in welcher Konstellation man eine solche Gruppe idealerweise zusammenstellen sollte.“ Und wenn sie Möglichkeit hätte, „in echt“ mit auf den Mars zu fliegen? „Ich würde mir anschauen, wer das organisiert, wer dabei wäre. Wenn mir das zusagt, wäre ich sofort dabei“, antwortet Christiane Heinicke ohne zu zögern. Warum? „Die Neugierde, ein Hauch von Abenteuerlust, das ist es ja schon immer gewesen, was die Menschen angetrieben hat, in unbekannte Gegenden aufzubrechen. Kontinente, Wüsten, Antarktis.“ Oder eben in die Tiefen des Weltraums. Woran sie so lange arbeitet: „Ich plane gerade an einem Habitat für einen längeren Mondaufenthalt.“ Kann ja auch ein schönes Ziel sein …

Der Eintritt zu der Lesung kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro). Vorverkauf bei der OVAG (06031 6848 1113) und der Sparkasse Oberhessen, den Buchhandlungen Am Markt (Alsfeld) und „Lesezeichen“ (Lauterbach) sowie im Internet unter www.adticket.de

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